Unter dem Titel "[Finanzministerin; Anm.] Fekter sieht bei zu hohen Zinssätzen für Dispokredite zu" werden die österreichischen Institute mit Worten wie "Wucherbanken" und "schamlos" bedacht. Der vermeintliche Grund: die Dispozinsen seien viel zu hoch, wie die aktuelle Diskussion in Deutschland zeige, und eine gesetzliche Regelung dafür gehöre getroffen. Und damit liegt das BZÖ doppelt daneben.
Der feine Unterschied
Auch wenn es Ähnlichkeiten in der deutschen und österreichischen Bankenlandschaft gibt - in einem Punkt sind die Unterschiede sehr deutlich - und zwar bei den "Dispozinsen":
Wie in mehreren, neutralen Studien bewiesen, bieten Österreichs Banken ein ausgezeichnetes Preis-/Leistungsverhältnis - und zwar deutlich vor Deutschland. Bei den Spesen liegen die Austrobanken an Rang 4 im Europavergleich, und bei den vom BZÖ kritisierten Dispozinsen schreibt das deutsche Handelsblatt:
"Österreichs Bankkunden können sich glücklich schätzen. Wer in der Alpenrepublik sein Konto überzieht, zahlt im Schnitt knapp halb so viel wie in Deutschland"
Quelle: handelsblatt.com
Der Grund dafür ist übrigens so simpel wie bekannt: die hohe Bankendichte in Österreich - oftmals auch als "overbanked" bezeichnet - sorgt für starken Wettbewerb und damit günstige Konditionen.
Gesetzliche Regelung: vorhanden
Weiters fordert das BZÖ in seiner Presseaussendung einerseits eine gesetzliche Begrenzung der Überziehungszinsen und andererseits eine "eine Begrenzung der Differenz, die zwischen Positiv- und Negativzinsen liegen darf". Offensichtlich kennt das BZÖ die bestehenden gesetzlichen Regelungen nicht, denn die Höhe der Verzugszinsen ist bereits im österreichischen Konsumentenschutzgesetz §6, Absatz 13 unter der Überschrift "Unzulässige Vertragsbestandteile" folgendermaßen begrenzt:
".... die im Fall des Verzugs des Verbrauchers zu zahlenden Zinsen den für den Fall vertragsgemäßer Zahlung vereinbarten Zinssatz um mehr als fünf Prozentpunkte pro Jahr übersteigen"
Und was die Differenz zwischen "Positiv- und Negativzinsen" betrifft: der sogenannte Nettozinsertrag hat in Österreichs Regionalbanken einen historischen Tiefstand erreicht. Eine gesetzliche Regelung und damit vermutlich verbundene Einschränkung würde die anerkannten Stützen für die Kreditvergabe an KMU während der Finanzkrise - neben den mit Basel III verschärften Eigenkapitalbestimmungen - weiter belasten.
Kleingeld
Auch wenn in diesen Zeiten Banken-Bashing en vogue ist: man sollte sich zumindest die Mühe machen, die Fakten zu checken, bevor man die Kreditinstitute beschimpft. Aber das "politische "Kleingeld" klimpert halt doch manchmal etwas lauter...



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