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94% der Entscheider in Kreditinstituten sehen die Bankenregulierung als größte Herausforderung für die kommenden drei Jahre. Vor allem Basel III und MaRisk machen ihnen zu schaffen. Durch die strengeren Auflagen der Regulierer müssen fast ebenso viele Kreditinstitute (93 Prozent) ihre IT und ihre Geschäftsprozesse stärker standardisieren. Das zeigt die Studie „Branchenkompass 2012 Kreditinstitute“ von Steria Mummert Consulting in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut. Sie wurde in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal durchgeführt.

Stimmung hat sich aufgehellt 
Nach dem Zehnjahrestief 2011 blicken die Banken in Deutschland und Österreich wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft. Vor allem unter den Kreditbanken sind einige Optimisten zu finden – nur 29 Prozent von ihnen glauben an eine schlechtere Zukunft als in der Gesamtwirtschaft. Insgesamt haben aber weiterhin die Pessimisten das Sagen: 36 Prozent der Befragten schätzen die Entwicklung der Bankbranche als schlechter ein als die der Gesamtwirtschaft. Weitere 27 Prozent halten die Zukunft für völlig ungewiss. 

Größte Herausforderung: Regulierung
Dabei sind vor allem schärfere Regulierungen und Bankenaufsicht Gründe für den weiterhin eingetrübten und unsicheren Ausblick. 94 Prozent der Banken sehen diese Themen als größte Herausforderung für das eigene Haus. Dies ist der höchste Wert in der zehnjährigen Historie des Branchenkompasses. Auf den zweiten Platz der bedeutendsten Schwierigkeiten wählen die Banker Kostenbelastungen. Drei Viertel der Befragten stehen vor der Aufgabe, Kosten senken zu müssen. Anschließend folgen erneut gesetzliche Auflagen: 74 Prozent sehen das unter anderem in MaRisk regulierte Risikomanagement als Problem der Zukunft vor Vertriebs- und Kundenmanagement. Der Wettbewerb steht immerhin noch auf dem fünften Rang der Aufgaben.

Allen voran: Basel III
Unter den Herausforderungen durch stärkere Regulierung hat vor allem Basel III an Bedeutung gewonnen. 88 Prozent der Banker wählen die Kapitalrichtlinie auf den ersten Platz der Themen, die umfangreiche Investitionen im eigenen Institut erfordern. Der Wert stieg damit im Vergleich zum vergangenen Jahr um 22 Prozentpunkte an. Auf Platz zwei folgen die neuen Liquiditätskennzahlen (LCR und NSFR) nach Basel III. Schon zum Start des Branchenkompasses 2002 war Basel – damals noch in der zweiten Version – beherrschendes Thema. Als Problem sahen es damals aber nur 23 Prozent. Heute ist Basel III ein deutlich stärkeres Thema. Die nach der Finanzkrise deutlich verschärfte Richtlinie steht nun kurz vor ihrem Inkrafttreten zum Jahresbeginn 2013. Damit jedoch noch nicht genug. Die Branche sieht sich einem ganzen Strauß von Regulierungen und Gesetzen gegenüber. Die Überarbeitung von MaRisk (BA) folgt auf Platz drei und bedeutet für 75 Prozent erhöhten Investitions- und Anpassungsbedarf. Und auch SEPA und MiFID II erfordern bei etwa jedem sechsten Kreditinstitut weitere Investitionen.

Hoher Investitionsbedarf
Die Erfüllung dieser aufsichtsrechtlichen Vorgaben erfordert derzeit umfangreiche Mittel. Die befragten Entscheider geben an, etwa 18,4 Prozent ihrer Gesamtinvestitionen für das Meldewesen und die Gesamtbanksteuerung aufwenden zu wollen, bei den Kreditbanken sind es sogar 20,4 Prozent. Höhere Investitionen tätigen die Unternehmen nur noch im Vertrieb und Kundenmanagement (29,1 Prozent). Für das Geschäftsprozessmanagement stehen dagegen mit 16,2 Prozent weniger Mittel als im Vorjahr zur Verfügung. 

Kostendruck und die durch die Regulierungen gestiegenen Anforderungen an das Meldewesen führen darüber hinaus zu mehr Bestrebungen in der Standardisierung. 93 Prozent der befragten Entscheider wollen ihre IT sowie ihre Prozesse standardisieren und dadurch effizienter machen. Um diese Herausforderung zu meistern, erwarten 70 Prozent der Befragten, dass kleinere Banken bei IT und Prozessen stärker mit großen Kreditinstituten kooperieren müssen.

Quelle: Steria Mummert Consulting

Hintergrundinformationen
Für die Studie „Branchenkompass 2012 Kreditinstitute“ von Steria Mummert Consulting in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut befragte forsa im August und September 2012 120 Entscheider aus 120 Kreditinstituten in Deutschland und Österreich. Die Institute gehören zu den nach ihrer Bilanzsumme größten im Land. Sie repräsentieren die drei Säulen der deutschen Kreditwirtschaft: Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Kreditbanken. Die Entscheider wurden zu den Branchentrends sowie zu den Strategien und Investitionszielen bis 2015 interviewt. Befragt wurden jeweils die Vorstandsvorsitzenden, Vorstandsmitglieder, die Geschäftsführer, die Leiter der Unternehmensentwicklung, die Leiter von Finanzen und Controlling oder die Vertriebs- und Marketingleiter. Die Befragungen wurden mit der Methode des Computer Assisted Telephone Interviewing (CATI) durchgeführt. Der Branchenkompass erscheint in Deutschland jährlich seit 2002.

 
 
Der Streit um die europäische Bankenregulierung eskaliert: gegenseitige Beschuldigungen, konträre Standpunkte und nationale Interessen stellen die Europäische Union auf eine schwere Probe. Hier die verschiedenen Ansichten im Überblick (Klicken zum Vergrößern):
Hier die Links zu den Quellen:
http://kurier.at/wirtschaft/4511763-eine-super-aufsicht-fuer-alle-banken.php
http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/1296100/Karas_Verbot-von-Eigenhandel-ist-das-Entscheidende?from=rss
http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/1296100/Karas_Verbot-von-Eigenhandel-ist-das-Entscheidende?from=rss
http://www.handelsblatt.com/politik/international/ezb-direktor-asmussen-frau-als-oberste-bankenaufseherin-empfohlen/7204932.html
http://www.rmrg.de/?p=2671
http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:bankenregulierung-eba-torpediert-basel-iii-plaene-der-eu/70096786.html#utm_source=rss2&utm_medium=rss_feed&utm_campaign=/unternehmen/finanzdienstleister
http://derstandard.at/1347493053607/Europaeische-Bankenaufsicht-will-Verbraucherschutz-staerken
http://www.format.at/articles/1240/931/343230/schlag-gesicht-eu-basel-iii-regeln
http://www.welt.de/print/die_welt/finanzen/article109512992/Den-Preis-muss-jede-Bank-zahlen.htmlhttp://money.oe24.at/Topbusiness/Angela-Merkel-kritisiert-EU-Vorschlag-zu-Bankenaufsicht/78364731
http://kurier.at/wirtschaft/4507848-steinbrueck-tritt-fuer-europaeische-schuldenunion-ein.php
http://www.rmrg.de/?p=2653
http://newsroom.sparkasse.at/archives/7490
http://derstandard.at/1347492651386/Nowotny-Echte-Fiskalunion-noch-in-weiter-Ferne
http://derstandard.at/1347492652904/Nur-kurzfristiger-Aufschub-fuer-Griechenland-Interview-Maria-Fekter
http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:vorschlaege-der-liikanen-gruppe-banken-sollen-geld-der-sparer-nicht-verzocken-duerfen/70098691.html

 
 
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Nach den anfangs wohlwollenden Medienkommentaren zu den Vorstellungen des EU-Kommissionspräsidenten Barroso hinsichtlich einer "Bankenunion" hat sich das Blatt inzwischen gewendet.

Infolge der Interventionen der deutschen Bundesregierung wurden bereits im Vorfeld der Barroso-Rede 3 Seiten bezüglich der europäischen Einlagensicherung aus dem Entwurf gestrichen, berichtet nun die Financial Times.

Sparkassen und Genossenschaftsbanken in Deutschland und Österreich laufen ebenfalls Sturm gegen diese Pläne - und gegen die EZB-Bankenaufsicht.

Im Rahmen des EU-Finanzministertreffens am vergangenen Wochenende debattierten 4 Stunden lang die 17 Eurominister und ihre zehn Kollegen aus Ländern, die nicht an der Währungsunion teilnehmen, hitzig über den Vorschlag der Kommission, berichtet der Standard.

Die Widerstände sind enorm: "Deutschland blockiert Bankenaufsicht durch EZB", schreibt die "Welt Online". Die EZB dürfe nach den Vorstellungen des deutschen Bundesfinanzministeriums nur begrenzte Hilfe bei den nationalen Aufsichten der einzelnen Länder anfragen, sagte ein Teilnehmer des EU-Finanzministertreffens am Wochenende in Zypern der "Welt".

Laut einem Bericht des "Standard" sieht Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny eine Fiskalunion in weiter Ferne. Und der Journalist Andreas Unterberger sieht in den EU-Plänen einen "Griff nach unseren Ersparnissen". Er schreibt: "Kein Mensch kann glauben, dass die geplante 6000-Banken-Aufsicht durch das ferne Europa jetzt bessere Ergebnisse erzielen wird als etwa die bisherige Aufsicht in Österreich durch FMA und OeNB. Sie brächte statt dessen bloß teure und belastende Bürokratie."

Und auch Finanzministerin Fekter räumt in einem Interview mit dem "Standard" ein: "Die zentrale Spitze hat ja nicht die Struktur, um etwa die Raika Buchkirchen zu prüfen. Gut funktionierende Strukturen soll man nicht zerschlagen."

Mit den Worten der "Welt": Die EU muss den Fahrplan für die Bankenaufsicht begraben.

 
 
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Die Vorschläge, die Binnenmarktkommissar Michel Barnier heute präsentieren wird, sind bekannt:

"Ein Gesetzesvorschlag beschäftigt sich mit den weitreichenden neuen Kompetenzen der EZB, die ab 1. Jänner 2014 die übergeordnete Finanzaufsicht für alle 6000 Banken der Eurozone übernimmt. Sie kann Razzien durchführen, Banklizenzen entziehen und frühzeitig in die Organisation von Banken in drohender Schieflage eingreifen. Die nationalen Aufsichten behalten das Alltagsgeschäft und müssen die Weisungen der EZB befolgen." (Quelle: wirtschaftsblatt.at)

Zur Kritik, dass damit eine Vielzahl an kleinen und mittleren Banken überreguliert würden, meinte Barnier:
Die britische Bank Northern Rock, die spanische Bankia und die französisch-belgische Dexia seien alles nicht-systemische Banken, die auch jetzt noch „echte Probleme“ verursachten, sagte Barnier auf dem Forum. Deshalb müsse die europäische Bankenaufsicht, „wenn sie effizient und glaubwürdig sein soll, das Recht haben, bei jeder erdenklichen Situation zu reagieren und zwar in jeder Bank“. (Quelle: Deutsche Mittelstands Nachrichten)

Die Auffassungsunterschiede zwischen kleinen- und mittleren Banken und „nicht-systemisch“ – wie sie Barnier nennt – lassen sich anschaulich erklären: die von Barnier erwähnte spanische „Bankia“ – eine vermeintlich „kleine Sparkasse“ – hatte 2010 eine Bilanzsumme von 328 Mrd. Euro (!) und 26.000 Mitarbeiter. Zum Vergleich: die österreichischen Raiffeisenbanken weisen im Schnitt eine Bilanzsumme von 526 Mio. Euro aus und entsprechen damit einem 623tel der „Bankia“! 

Eine Differenzierung der von der zentralen EZB-Aufsicht zukünftig betroffenen Banken macht die Problematik klar:

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Klicken zum Vergrößern; Grafik: banknews.at
Verteilung der Banken der Eurozone nach Größenklasse
Von den 6.230 Banken in der Eurozone gelten 20 bis 30 als systemrelevant, auf die etwa die Hälfte der Assets (Bilanzvolumen) entfallen. 30 bis 40 gelten als "national systemrelevant" (10 Prozent Bilanzanteil), der Rest sind nationale kleinere und mittlere Banken, denen keine Systemrelevanz zukommt. In Österreich sind die drei, vier Grossbanken grenzüberschreitend systemrelevant.

Quelle: boerse-express.com

Eine Zentralisierung der Bankenaufsicht – auch wenn Sie an nationale Aufsichtsbehörden delegiert werden kann – bringt zweifelsohne folgende Effekte mit sich:

1. Steigende Komplexität
Andrew Haldane, Direktor für Finanzstabilität der Bank von England – also ein Aufseher selbst – brachte es kürzlich auf den Punkt:  Die ursprünglichen Eigenkapitalregeln des Basler Bankenausschusses hatten 30 Seiten, Basel II hatte 347 Seiten, das 2010 beschlossene Basel-III-Werk umfasst 616 Seiten. Dabei hat Haldane in seine Studien eindeutig nachgewiesen, dass Komplexität in der Regulierung das Risiko sogar erhöht anstatt es zu beschränken...

Auch das Magazin „Format“ beschrieb die Problematik:
„Noch mehr Bürokratie wird die Probleme nicht lösen. Es darf bezweifelt werden, dass es reicht, mit riesigem Aufwand Routinedaten abzufragen, um die nächste Finanzkrise zu verhindern“ (Quelle: format.at)

2. Kostenexplosion
Die direkt Folge der steigenden Komplexität: enorme Verwaltungskosten – die von den kleinen Bankinstituten nicht mehr bewältigt werden können und schließlich zu Fusionen führen; aus aufsichtsrechtlicher Sicht als genau der falsche Weg: von einer breiten Risikostreuung zu einer höheren Risikokonzentration!

Beispiel gefällig? „Allein die Zusatzkosten der Vienna Insurance Group für das neue Versicherungs-Regelwerk Solvency II betragen über 100 Millionen Euro. Der Gesamtaufwand für die neue Aufsichts-Bürokratie erreicht Milliardenbeträge. Das heißt: Viele Berater und Kontrolleure verdienen prächtig, die Jobaussichten sind hervorragend.“  (Quelle: Format)

Doch das ist nur die eine Kostenseite: der Aufwand für die Überwachung der über 6.000 kleinen und mittleren Banken auf EZB-Seite und der Aufbau entsprechenden Kommunikations- und Überwachungsstrukturen mit den nationalen Aufsichtsbehörden werden die Kosten weiter explodieren lassen. OeNB-Direktor Andreas Ittner glaubt, dass es dabei um  "einige hundert Leute mehr" geht, die die EZB aufnehmen wird müssen. (Quelle: boerse-express.com)

Die mangelende Effizienz in den Plänen hat wohl EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen jetzt offenbar auch selbst erkannt: „Die Europäische Bankenaufsicht sollte sich auf systemrelevante Institute begrenzen. Alles andere ist weder machbar noch wünschenswert“, sagte er gestern im Rahmen einer Veranstaltung in Frankfurt. (Quelle: rmrg.de)

3. Der EZB-Interessenskonflikt
Dass es potentielle Zielkonflikte zwischen Geldpolitik und Bankenaufsicht in der EZB geben kann, ist auch Barnier bekannt. Durch „chinese walls“ zwischen diesen beiden Einheiten sollen diese verhindert werden.

"Ein typischer Interessenskonflikt in einem Krisenfall wäre es etwa, würde die Euro-Notenbank bei einer trudelnden Grossbank ein Auge zudrücken müssen, weil deren Zusammenbruch an einer anderen Front ein systemisches Problem auslöste." (Quelle: boerse-express.com)

Wie wirksam diese „chinese walls“ im Echtfall sein werden, kann heute noch nicht prognostiziert werden.

4. Abgabe der Subsidarität/Finanzhoheit
Laut dem deutschen Verbandspräsidenten der Volksbanken – Uwe Fröhlich – würde eine Beaufsichtigung kleinerer, regional tätiger Banken das europäische Prinzip der Subsidiarität verletzen (Quelle: FAZ.net). 

Erste-Group-Chef Andreas Treichl zufolge geht es bei einer Bankenunion „um die vollständige Abgabe der Souveränität des Finanzsystems nach Brüssel, Frankfurt oder St. Pölten. Oder wo immer diese Behörden dann angesiedelt sind." (Quelle: Wiener Zeitung)

5. Der Irrtum der EU-Vereinheitlichung
Die von den Befürwortern der gesamten EZB-Bankenaufsicht in die Wagschale geworfenen Wünsche, nämlich „Gleiches Geschäft, gleiche Risiken, gleiche Regeln – und zwar europaweit“ (Quelle: focus.de) werden nicht erfüllt werden können.

So könnte es zum Beispiel bei den Osttöchtern der österreichischen Banken ein Mischmasch aus europäischer und nationaler Aufsicht geben, berichtet der „Standard“. Grund dafür ist, dass von der EZB wahrgenommene Kontrolle der Institute primär für die Währungsunion gilt. Nichteuroländer können ihre Banken freiwillig der neuen zentralen Bankenaufsicht im Rahmen einer "engen Kooperation" unterwerfen, wie es im Entwurf heißt. 

„Der Standard“ führt auch ein konkretes Beispiel an:
"Die Zentralbank sieht bei einem heimischen Institut ungedeckte Risiken wegen Fremdwährungskrediten in Ungarn und fordert eine Rekapitalisierung der lokalen Tochter. Ungarn sieht das Problem nicht und verhindert einen Bescheid. Letztlich würde das Problem dann bei der Konzernmutter in Österreich hängenbleiben, wie es aus Kreisen der Bankenaufsicht heißt." (Quelle: derstandard.at)

6. Der Weg in die Transferunion
Die gemeinsame EZB-Aufsicht wird allgemein als Weg zu einer „Bankenunion“ und schließlich zu einer gemeinsamen Einlagensicherung interpretiert. Dass damit letztendlich zB die von kleinen österreichischen Genossenschaftsbanken gebildeten Rücklagen für Bankenrettungen in PIIGS-Staaten verwendet werden könnten, wurde zumindest den österreichischen Bankkunden noch nicht ausreichend kommunziert.

Fazit:
Die Intention der gemeinsamen EZB-Bankenaufsicht ist klar: durch einheitliche Spielregeln für alle Banken des Euro-Raums soll der Bedarf an weiteren Bankenrettungen verhindert werden. Die oben dargestellten Argumente zeigen, dass die Maßnahmen klar am Ziel vorbeischießen und letztendlich nicht effizient und zeitnah umsetzbar sind. Eine Fokussierung auf die größten Banken wäre zielführender.
 
 
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Abseits des innenpoltischen Sommerlochs blieb von den österreichischen Medien eine folgenschwere Entwicklung für die österreichische (Finanz-)Wirtschaft weitestgehend unbemerkt. Am 11. und 12. September wird die EU-Kommission nämlich ihre Entwürfe für die künftige europäische Bankenunion beginnend ab Anfang 2013 vorlegen. 

Börse Express schreibt:
"Für die heimischen Banken heisst das, dass die Euro-Zentralbank Zugriff auf alle haben wird. Nicht nur auf die grenzüberschreitenden heimischen Grossbanken wie Erste und Raiffeisen Bank International, sondern auf alle anderen Banken und Sparkassen auch."

Damit sind auch Volks- und Raiffeisenbanken gemeint, die zB mit nur 10 Mitarbeitern und 2 Geschäftsstellen wohl kaum von EU-weiter Bedeutung sind. Somit ist klar, dass die Entscheidungen einem anderen Zweck dienen - und dieser gehört auch in Österreich deutlich kommuniziert, so wie es zB die FAZ in Deutschland zeigt:

"Die Bankenregulierung ist nur der erste Schritt zu einer europäischen Bankenunion. ... Der nächste Schritt ist die europäische Einlagensicherung mit gemeinsamen Abwicklungsfonds."

In ihrer Krisenmanagement-Richtlinie schlägt die EU-Kommission nämlich grenzüberschreitende Kredit- beziehungsweise Transferleistungen zwischen Abwicklungsfonds vor. So entsteht schließlich eine Transferunion durch die Hintertür. Zumindest in Deutschland laufen die Verbände der Sparkassen und Genossenschaftsbanken gegen diese Entwicklung Sturm:

Volksbanken-Verbandspräsident Uwe Fröhlich:
"Diese Art der Vergemeinschaftung von Risiken und Haftung lehnen wir entschieden ab, da sie die Eigenverantwortlichkeit schwächt und die Gefahr des „moral hazard“, also eines fahrlässigen Verhaltens von Banken, birgt. Hier greift die EU dem deutschen Sparer in die Tasche" 

Außerdem würde laut Fröhlich eine Beaufsichtigung kleinerer, regional tätiger Banken das europäische Prinzip der Subsidiarität verletzten. Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon meinte zudem, wer die EZB mit der Aufsicht von über 6000 Instituten "zuschütten" wolle, der verhindere eine wirksame und effiziente Aufsicht über die systemrelevanten Banken.  

In der britischen Financial Times wendet sich sogar Finanzminister Schäuble gegen die Pläne: keine Behörde sei in der Lage, so viele Institute effektiv zu überwachen, schrieb der Minister in dem Beitrag. Letztendlich würden nur die Großbanken von dieser Regelung profitieren, meinte die Süddeutsche Zeitung.

Und schließlich sind sogar Aufseher selbst (!) gegen diese Form der Bankenaufsicht. Hinsichtlich den Basel III-Bestimmungen sagte der Generalsekretär des Baseler Ausschusses, Stefan Walter: "Die Kapitalregeln waren immer nur für international tätige Banken gedacht".

Andrew Haldane, Direktor für Finanzstabilität der Bank von England, spricht von einem "Turmbau zu Basel"
Es ist die Kritik des Regulierers, der fürchtet, dass die Regulierungsflut eine falsche Sicherheit vorgaukelt. Die ursprünglichen Eigenkapitalregeln des Basler Bankenausschusses hatten 30 Seiten, Basel II hatte 347 Seiten, das 2010 beschlossene Basel-III-Werk umfasst 616 Seiten. Dabei hat Haldane in seine Studien eindeutig nachgewiesen, dass Komplexität in der Regulierung das Risiko sogar erhöht anstatt es zu beschränken...

Aus Österreich kamen zumindest erhebliche Zweifel von Erste-Group-Chef Treichl zur geimeinsamen Einlagensicherung: "Das schaue ich mir an, wie man das politisch durchsetzen will", sagte Treichl laut der "Wiener Zeitung". "Denn bei einer Bankenunion, da geht es um die vollständige Abgabe der Souveränität des Finanzsystems nach Brüssel, Frankfurt oder St. Pölten. Oder wo immer diese Behörden dann angesiedelt sind."

 
 
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Die EU-Kommission will bekannterweise der Europäischen Zentralbank die Aufsicht über alle wichtigen Banken der Euro-Zone übertragen. Bisher war sinnvollerweise aber davon ausgegangen worden, dass es sich bei den betroffenen Banken nur um international tätige oder höchstens national systemrelevante Banken handeln würde.

Dies hätte sich auch mit den Ansinnen des Baseler Ausschusses für die Anwendung der neuen Eigenkapitalregeln ("Basel III") gedeckt, die laut dessen Generalsekretär, Stefan Walter, "nur für international tätige Banken gedacht" sind. Dennoch sollen diese Regeln für alle 8.400 europäischen Banken angewandt werden.

Am Ziel vorbei
Nun scheint auch die EZB die Überwachung aller Institute übernehmen zu wollen
"Auch Genossenschaftsbanken und Sparkassen sollten künftig von der EZB überwacht werden, erfuhr das Handelsblatt aus Kommissionskreisen."

Durch das in Ihren Satzungen verankerte Geschäftsmodell der Genossenschaftsbanken und Sparkassen sorgen sie einerseits für die regionale Versorgung der Privaten und KMUs mit ausreichend Krediten (siehe: Fakten und Zahlen aus der dt. Kreditwirtschaft), verzeichnen aber aufgrund der breiten Streuung geringe Risikokosten und stellten damit in der Finanzkrise die stabilste Säule im Bankensystem dar. 

Size matters! 
Aufgrund ihrer geringen Größe kann durch deren zentrale EZB-Aufsicht keine Verbesserung der nationalen und EU-weiten Risikosituation erreicht werden. Auch eine Trennung nach Größe innerhalb dieser Regionalbanken scheint untauglich: würde man zum Beispiel eine Bilanzsumme von 1 Mrd. EUR als relevante Größe annehmen, müssten in Deutschland 164 Volks- und Raiffeisenbanken von der EZB und die restlichen 972 Institute von der lokalen Aufsicht kontrolliert werden. (Quelle: Dt. Volks- und Raiffeisenbanken nach Bilanzsumme, Stand 2011)

In Österreich liegt die durchschnittliche Bilanzsumme der 539 Raiffeisenbanken gar bei nur bei 526 Mio. Euro (Quelle: OeNB-Statistik, Stand 2010).

Hinzu kommt, dass die Prüfung der Risikosituation einer Regionalbank nicht nur der Kenntnis der nationalen gesetzlichen Bestimmungen und Mindeststandards bedarf (in Ö: zB der sogenannte "ICAAP": Leitfaden zur Gesamtbankrisikosteuerung oder der Mindeststandard für die Gestionierung von Fremdwährungs- und Tilgungsträgerkrediten), sondern sinnvollerweise auch die lokalen Rahmenbedingungen der jeweiligen Bank berücksichtigt. So fließen in die zu berechnenden "Crash-Szenarien" auch besondere regionale Besonderheiten (zB in Tourismusgebieten) ein. 

Verständliche Gegenwehr
Verständlicherweise wehren sich die betroffenen Verbände. Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV):
  • „Es ist weder notwendig noch realistisch, dass die EZB die Aufsicht über alle 8.400 Kreditinstitute in Europa wahrnehmen kann“ 
  •  „Eine EU-weite Bankenaufsicht für alle europäischen Kreditinstitute wäre überdimensioniert und könnte nicht mehr nahe genug an den Marktrealitäten operieren, was gerade für regional tätige Institute von überragender Bedeutung ist.“

Eine EZB-Aufsicht über alle regional tätigen Genosschenschaftsbanken und Sparkassen wäre daher ineffezient, damit extrem kostspielig und kann - zumindest aus dem Blickwinkel der österreichischen und deutschen Bankenstrukturen - zu keiner qualitativen Verbesserung des Risikos (im Vergleich zu einer lokalen Aufsicht) beitragen.

 
 
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Im November 2011 hat banknews.at unter dem Titel "Wie sich Großbanken Kapital herbeirechnen" (Link) über die Möglichkeiten des IRB-Modells von Basel II berichtet. Dabei wurde anhand von Beispielen der angeführt, wie durch Neukalibrierung der Risikoeinschätzungen RWA (risk weighted assests) reduziert und damit höhere Eigenkapitalquoten errechnet werden können.

Nun hat auch das Handelsblatt dieses Thema aufgegriffen: unter dem Titel "Wie sich Banken ihre Risiken kleinrechnen" (Link) präsentiert die renommierte Zeitung eine Studie des IWF und der amerikanischen Cornwell University, die die Güte der Risikogewichtung nachhaltig in Zweifel zieht:

„Wie die Finanzmärkte die Risiken einer Bank beurteilen, lässt sich anhand der risikogewichteten Assets im Allgemeinen nicht vorhersagen“, lautet das Fazit der Ökonomen Sonali Das (Cornell) und Amadou Sy (Internationaler Währungsfonds). „Die internen Modelle zu Ermittlung von Risikogewichten haben sich als zu optimistisch, wenn nicht als schlicht falsch erwiesen“, sagt Thorsten Beck von der University of Tilburg. 

Bestes Beispiel: die britische Finanzaufsichtsbehörde ließ die Ausfallsrisiken eines fiktiven Wertpapierportfolios von 13 verschiedenen Banken bewerten. Trotz der identen Papiere zeigten die errechneten Ergebnisse eklatante Unterschiede: „Die höchste mittlere Ausfallwahrscheinlichkeit ist drei- bis sechsmal so groß wie die niedrigste“, so die FSA. Ein Experte für Finanzstabilität der Bank of England bezeichnete diese gewaltige Streuung als "schockierend". 

Die Folge: die festen Risikogewichte, die noch mit Basel I vorgeschrieben waren und noch in den USA und einigen asiatischen Ländern gelten, weisen wesentlich höhere Risiken aus als jene der in Europa mittels Basel II-Kriterien ermittelten Risikogewichte. Eine völlige Abkehr von Risikogewichten lehnen Ökonomen jedoch ab.  Aber die Risikogewichte müssten nicht durch interne Bankmodelle ermittelt werden. 
 
Kleinere Banken - wie die vielen Regionalbanken Österreichs - verwenden aus Effizienzgründen üblicherweise den Standardansatz lt. Basel II und können damit die Spielräume der Großbanken deshalb nicht ausnützen. Eine weitere Benachteiligung eines Geschäftsmodells, dass sich in der Finanzkrise bewährt hat. Basel III wird dieses Mißverhältnis nicht ausräumen:

„Statt von Basel III sollte man besser von Basel II.001 sprechen", sagt Martin Hellwig,  Direktor des Bonner Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern. 

 
 
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Basel III und die zugehörigen Bank-Kapitalvorgaben werden derzeit so heftig diskutiert wie noch nie: der Chefverhandler des Europäischen Parlaments möchte die Risikogewichtung für KMUs reduzieren (Link), die österreichische Finanzmarktaufsicht FMA setzt sich dafür ein, dass das an private Investoren ausgegebene Partizipationskapital auch zum Tier1-Kapital gerechnet werden darf (Link), und die ursprünglich geplanten, zusätzlichen Kapitalpuffer für Staatsanleihen hoch verschuldeter Euro-Länder steht ebenfalls zur Diskussion (Link).

Niemand wird bestreiten, dass höhere Kapitalvorgaben für Banken einen Beitrag zur Verhinderung und Abfederung von Fehlentwicklungen im Finanzwesen leisten können. Warum ist es dann so schwierig, sich auf die richtigen Berechnungsmethoden zu einigen?

Die Operationalisierung des Risikos
Machen wir also einen Schritt zurück und fragen wir uns: Warum brach die größte Finanzkrise der jüngsten Geschichte wenige Jahre nach Einführung von Basel II, dem zu diesem Zeitpunk wohl umfangreichsten Regulierungsrahmen aller Zeiten, aus? Der Grund liegt in der Operationalisierung: immer mehr und komplexere Risikoberechnungsmethoden lassen den Eindruck entstehen, dass uns aus der Vergangenheit abgeleitete Risiken die zukünftigen Verluste vorhersagen können. Dies mag in kurzen Abständen gelingen. Wie Nassim Nicholas Taleb mit seiner Theorie des schwarzen Schwans (Link) belegt, ist die vergangenheitsbezogene Betrachtung für längere Zeitspannen jedoch nicht ausreichend.

Dies zeigt sich in der aktuellen Schuldenkrise: Basel II, das aus der Vergangenheit kein Risiko für Staatsanleihen ableiten konnte, lag mit dieser Annahme offensichtlich falsch. Aufgrund der regulatorischen Vorgaben wendeten aber Banken wohl auch weniger Zeit für eine eingehende Analyse ihrer Investitionen in (höher verschuldete) Länder auf.

Die Schlacht eines vergangen Krieges
Was lässt sich daraus für Basel III lernen? Nur eine Korrektur der Basel II - Annahmen entspräche der Schlacht eines bereits vergangenen Krieges. Weitere, noch komplexere Risikoannahmen und darauf basierende Berechnungsmethoden sind daher nicht der Weisheit letzter Schluss.

Die Regularien für Großbanken sollten daher 2 Kernthemen in den Mittelpunkt stellen:
- die Bankeigentümer müssen im Falle eines Verlustes auch mit dem Verlust ihrer Investition rechnen
- die verantwortlichen Manager müssen mit einem Verlust ihres Arbeitsplatzes und ihrer Ansprüche rechnen

Diese Vorgaben würden auch die Regionalbanken stärken, die dank ihres konservativen Geschäftsmodells als stabile Säule in der Finanzwirtschaft gelten. Dennoch sollen die Regionalbanken auch die höheren Kapitalvorgaben erfüllen - obwohl der Generalsekretär des Baseler Ausschusses sagte: "Die Kapitalregeln waren immer nur für international tätige Banken gedacht." (Link)

Fazit:
Zusätzliche Kapitalvorgaben auf Basis noch komplexerer Berechnungsmethoden in einer Phase europaweiter Schuldenprobleme und einer bevorstehenden Rezession sind ganz offensichtlich der falsche Weg. Dass dies einige bereits erkannt haben, zeigen die aktuellen Diskussionen. Hoffen wir, dass die richtigen Schlüsse daraus gezogen werden.

 
 
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Eigenkapital wird für Großbanken knapper als ein ManU-Sieg im Champions-League-Finale gegen die Bayern: höhere Kapitalanforderungen durch Basel III, zusätzliche SiFi-Zuschläge für systemrelevante Banken, ev. neue Risikogewichte für Staatsanleihen (Link) usw. 

Regulierung ist kein Allheilmittel
Aber mehr Regulierung ist nicht das Allheilmittel für die finanzielle Sicherheit der Banken, deren Eigentümer und letztendlich aller Bürgerinnen und Bürger: sie führt nämlich auch dazu, dass Großbanken in das Ausmachen und Ausnützen von Schlupflöchern investieren und sich so eine Vorteil gegenüber den Aufsichtsbehörden verschaffen. 

Aktuell schreibt das Wirtschaftsblatt zu den bekannten Entwicklungen (Link): "Viele Banken haben signalisiert, die erhöhten Kapitalanforderungen der EBA mit einer Reduzierung der Bilanzrisiken erfüllen zu wollen, die mit Eigenkapital unterlegt werden müssen." 

Nun würde man glauben, diese "RWA-Optimierung" würde zu einem tatsächlichen Abbau von zB Adressrisiken durch Reduktion der Kreditvolumina führen. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten: bereits Basel II und auch Basel III erlauben die eigene Festlegung von Risikobewertungskriterien, also interne Risikomodelle. Diese müssen zwar  von den Aufsichtsbehörden abgenommen werden. Aber wie in vielen Regulierungsvorschriften gibt es Grauzonen. Und diese werden nun von den Großbanken ausgenutzt, um die Kapitalanforderungen zu senken.

Sinkende Risikogewichte bei steigenden Wertberichtigungen?
Leicht süffisant bemerkt Finanzblogger Edward Harrison (Link): "Komisch: es ist noch kein Fall bekannt geworden, bei dem die risikogewichteten Aktiva durch die Anpassung der internen Risikomodelle angestiegen wären". In Zeiten hoher Wertberichtigungsmeldungen und steigender NPL-Quoten ist dies tatsächlich sehr verdächtig. Und so kann Bloombergs "Businessweek" (Link) über die Pläne europäischer Großbanken folgendes vermelden:
  • die spanische Banco Santander will die Hälfte der mit 13,6 Mrd. EUR bezifferten, nötigen Kapitalaufstockung durch die interne Anpassung der Risikomodelle aufbringen
  • die Unione di Banche Italiane will die gesamten, geforderten 1,6 Mrd. EUR an zusätzlichem Kapital ausschließlich durch Veränderung der Risikoberechnung herbeirechnen
  • Die britische "Lloyds" soll bereits 2010 durch eine Komibnation aus Verkauf von Assets und Anpassung der Risikomodelle die risikogewichteten Aktiva um 16 Mrd. Pfund reduziert haben 

Ein West-LB-Analyst sagt selbst: "Es mag nicht der qualitativ beste Weg sein, um die 9% Kapitalquote zu erreichen. Überzeugender wäre wohl eine Risikoreduktion bei gleichbleibenden Modellen."

Gesellschaftliche Risiken statt Bankrisiken
Warum sollten Aufsichtsbehörden nun solch' dubiose und künstliche Taktiken zulassen? Harrison meint, dass sich Europa in einer Geiselhaft der Großbanken befindet: einerseits sollen Kapitalpolster aufgebaut werden, andererseits wird eine Kreditklemme - wohl nicht zu unrecht - befürchtet.
 
Andy Haldane, Director for Financial Stability der Bank of England und Mitglied des Baseler Komitees, sieht die zukünftige Lösung folgendermaßen: "Es gibt gewichtige Argumente dafür, die Risikogewichte dynamisch und realwirtschaftsbezogen zu gestalten. Derzeit sind sie auf die Risiken einer Bank für sich selbst abgestimmt. Zukünftig sollen sie Risiken für die Gesellschaft reflektieren."

 
 
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Bild: Erste Bank
16.05.2011, M. Nefischer

Durch die harschen Aussagen von Erste-Bank-Chef Treichl , über die wir bereits am Samstag berichteten, hat die Welle an kritischen Stimmen in den Medien eine neue Dynamik entwickelt. Ausgelöst wurde der Ärger zuerst durch die Verdoppelung der Aufsichtsratsgagen, die wir hier bereits beleuchtet haben. 

Mit der Aussage "Politiker sind blöd und feig und haben von der Wirtschaft keine Ahnung" hat die Bankendiskussion wieder einen neuen Höhepunkt erreicht. Da dabei bereits genug polemisiert wurde, wollen wir uns nun wieder auf die Fakten konzentrieren:

Die Fakten: Aufsichtsratsgagen
Wie wir bereits analysiert haben, war der Zeitpunkt der Verdoppelung der Vergütung für die Aufsichtsräte in der Erste Bank wohl unglücklich gewählt, mit einem entsprechendem Aufschrei der Kleinaktionäre, Bankenkritiker und Poltiker musste gerechnet werden; insbesondere deshalb, weil das staatliche Partizipationskapital von der Erste Bank an den Staat noch nicht zurückbezahlt wurde.

Dennoch muss festgehalten werden, dass das Ergebnis dieser Erhöhung der Aufsichtsratsgagen im Vergleich keineswegs extraordinär wäre: Bereits im Jahr 2007 lag das durchschnittliche Brutto-Jahresgehalt eines Aufsichtsratsvorsitzenden eines ATX-Unternehmens bei EUR 42.700,00 (Quelle: Gewinn 12/08, Seite 108). Eine Anhebung der durchschnittlichen Brutto-Jahresgehälter der Erste-Bank-Aufsichtsräte auf EUR 50.000,00 kann in Anbetracht der Größe des Unternehmens und unter Berücksichtigung der Inflation als normal bezeichnet werden (auch wenn es für jeden Durchschnittsverdiener als enorm einzustufen ist).

Fazit:
Die prozentuelle Erhöhung (100%) war zu diesem Zeitpunkt sicher unpassend, das Ergebnis ist es aber nicht zwingend.


Die Fakten: Basel III und die Politik

Aufgrund der nach Basel III zu erwartenden, strengeren Eigenmittelunterlegungspflichten werden möglicherweise die Banken Kapital nicht oder nicht sofort im erforderlichen Ausmaß aufbringen können, um den geforderten Kreditvergabevolumina nachzukommen. Insbesondere deshalb, da die bereits bis 2019 anvisierten Übergangsfristen von den Märkten ignoriert und entsprechende Kapitalisierung wahrscheinlich schon früher verlangt werden. 

Eine Untersuchung des Instituts für Höhere Studien* sieht die Möglichkeit einer 10%- bis 20% Reduktion der Kreditvergabevolumina, was zu einem realen BIP-Rückgang von 0,85% bis 1,7% im ersten Jahr bzw. 1,26% bis 2,5% im fünften Jahr führen würde. Daraus würde - durch die sinkende Produktion mit folgender sinkender Beschäftigung - eine Reduktion der Einkommen der privaten Haushalte und damit des realen privaten Konsums resultieren. (*Quelle der Publikation: cooperativ 06/2010)

Besonders betroffen sind genau jene Banken, die lt. IWF Working Paper, Jänner 2007 "stabiler als Geschäftsbanken" sind, nämlich die Genossenschaftsbanken - was sich im Rahmen der Finanzkrise bestätigt hat. Der Haftsummenzuschlag der Mitgliedsanteile ist nämlich derzeit (in Österreich und Deutschland) als Tier 2 Kapital anerkannt - das könnte sich mit Basel III aber ändern, was für die Genossenschaftsbanken deutlich erhöhte Eigenkapitalkosten bedeuten und damit die bisher stabilste Säule der österreichischen Banken zusätzlich belasten würde.

"Die neuen Vorschriften verfehlen die Krisenursachen. Sie leiten Banken geradezu an, aus dem Kreditgeschäft auszusteigen" (Dr. Rainer Borns, Vorstand des Österreichischen Genossenschaftsverbands ÖGV im Magazin "coooperativ", Ausgabe 6/2010). 



Fazit:
Die von Dr. Treichl geäußerte Kritik wird von Wirtschaftswissenschaftlern und Experten inhaltlich geteilt. Ob die gewählten Worte angemessen waren, sei dahingestellt. Zum Aufrütteln der Politiker - die sich offensichtlich mit dieser Problematik noch nicht auseinandergesetzt haben - waren diese Worte aber jedenfalls tauglich.