"Wenn es ums Geld geht, sind wir Österreicher eigentlich ein erzkonservatives Volk. Die beliebtesten Veranlagungsformen sind immer noch mit Abstand das Sparbuch und der Bausparvertrag. Aber geht es um eine Kreditfinanzierung, dann werden wir plötzlich zu echten Zockern.", schrieb kürzlich das "Wirtschaftsblatt" ( Link). "Wer hat's erfunden?"Die Geschichte der Fremdwährungskredite in Österreich beginnt Mitte der 90er Jahre: der Fremdwährungskredit, bis dahin Finanzierungsinstrument für Menschen mit Einkommen in fremder Währung, wird nun plötzlich für den durchschnittlichen Häuslbauer interessant. Ausschlaggebend dafür waren die niedrigen Zinsen für Kredite in Schweizer Franken und Japanischen Yen sowie die zu diesem Zeitpunkt geringen Wechselkursschwankungen. Wohl nicht ganz zufällig verläuft parallel zur deutlichen Ausweitung der Fremdwährungskredite auch der Zuwachs der Finanzdienstleister in Österreich, eine wesentlicher Treiber der neuen Finanzierungs- und Veranlagungskombi. In den Jahren 1995 bis 2001 verdoppelten sich die Anzahl der Unternehmen im Finanzdienstleisungs- und Versicherungsbereich .
Entwicklung der Fremdwährungskredite an Private (in Mrd. Euro); Quelle: APA
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Anzahl der Mitgliedsunternehmen der Sparte "Finanz- und Versicherungsdienstleister" (Quelle: Statistik Austria)
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Magazine und Professoren als Fremdwährungskredit-FansEinen zusätzlichen Beitrag zur Popularität der Fremdwährungskredit leisteten auch die "Magazine für den persönlichen Gewinn". Der folgende Tipp aus dem "Fremdwährungskredit-Drehbuch" des "Gewinn" ( Link/pdf) verdeutlicht die damalige Einstellung besonders gut: "Angenommen, Sie brauchen Geld. Und zwar viel Geld, weil Sie ein Haus bauen möchten (Immobilienfinanzierung ist der typische Fall bei Privaten). Sie gehen also zur Bank Ihrer Wahl - mittlerweile bietet dies praktisch jede österreichische Bank an. Treffen Sie auf jemanden mit „tauben Ohren“ oder mit der Haltung „Nur gegen unsere Überzeugung“ - probieren Sie es woanders." Praktischerweise bestätigte eine vom Fachverband der Finanzdienstleister in Auftrag gegebene Studie der Wirtschaftsuni Wien ( Link) im Jahr 2003, dass Fremdwährungskredite - Teil der Internationalisierung der österreichischen Wirtschaft auf allen Ebenen, - keine größere Gefährdung der Finanzmarktstabilität als andere bestehende Risken sind und - als rationales Verhalten interpretierbar sind, da langfristig oft Zinsvorteile Wechselkursnachteile überwiegen. Diese Aussagen wurden zu einem Zeitpunkt veröffentlicht, als die Finanzmarktauffsicht erstmals "Mindeststandards für die Vergabe und Gestionierung von Fremdwährungskredite bzw. Tilgungsträgerkredite" den Banken vorgab ( Link-pdf / Link-pdf) Cash-Cow?Ein Argument, dass die Banken ebenfalls besonderes Interesse an der Vergabe von Fremdwährungskrediten aufgrund höherer Erträge gehabt hätten, kann leicht entkräftet werden. Geringfügig höhere Margen im Zinssatz werden durch den deutlich höheren Refinanzierungsaufwand ausgeglichen: die Banken müssen im "Roll-Over-Verfahren" meist vierteljährlich die Beschaffung von ausreichend Liquidität in der fremden Währung sicherstellen - inzwischen nicht nur eine aufwändige, sondern auch eine teure Angelegenheit. Nötige Systeme für die Beobachtung der Kursentwicklung mit angeschlossenen Kundeninformationssystemen verursachten weitere Investitionen und Kosten auf Bankenseite. Insbesondere dann, wenn Provisionen für Vermittlung des Kredites und Abschluss des Tilgungsträgers vom Finanzdienstleister eingenommen wurden, stellte der Fremdwährungskredit für die Banken keinen Ertragsvorteil gegenüber dem Eurokredit dar. Die Beratung
Von Beginn an übernahmen es die Banken, ihre Kunden auf die Risiken hinzuweisen. Mehrere A4-Seiten mit Beispielrechnungen und Darstellung der möglichen Verluste mussten vom Kunden unterfertigt werden. Wie aber von Risikoforschern immer wieder betont wird: Risiken, die im eigenen Empfinden (sowohl der Berater als auch der Kreditnehmer) über einen gewissen Zeitraum nicht eintreten, werden mit fortschreitender Dauer ausgeblendet und letztendlich negiert. Wurde Kreditnehmern in Zeiten der Kursgewinne seitens der Bank eine Konvertierung (und damit eine Realisierung des Gewinnes) angeboten, wurde dies meist nicht in Anspruch genommen. Genausowenig werden in der aktuellen Phase der Kursverluste Konvertierungen durchgeführt. Selbst der bekannte Wirtschaftsforscher Dr. Stephan Schulmeister sagte in einem Interview ( Quelle: Link/pdf): „Das Risiko bei Fremdwährungskrediten ist, verglichen mit dem anderer Finanzierungsinstrumente, die die Banken empfehlen, gering." Alles verloren?Der Rest der Geschichte ist bekannt: die extreme Erstarkung des Schweizer Franken als Folge der Finanz- und Schuldenkrise lies die (Buch-)Kursverluste ansteigen, die Tilgungsträger blieben in ihrer Entwicklung deutlich unter den Prognosen. Die FMA erkannte nun ein systemisches Problem und verbot im Frühjahr 2010 defacto die Kreditvergabe in Fremdwährung (mit wenigen Ausnahmen). Den vielen Abgesängen zum Trotz: ob für Fremdwährungskredit- und Tilgungsträgerkreditnehmer ein tatsächlicher Schaden eintreten wird, und wie hoch dieser sein könnte, ist heute noch gar nicht endgültig festzustellen: Restlaufzeiten bis 2020 und länger verlagern das Problem in die Zukunft. Nur wenige der Fremdwährungskreditnehmer haben bisher tatsächlich einen realen Schaden erlitten. Jüngste Prognosen zur CHF-Kursentwicklung lassen die Kreditnehmer auch wieder hoffen ( Link): "Mit Thomas Jordan an der Spitze der SNB wird es keinen Kurs unter 1,20 geben." "Ohnehin gehe die SNB davon aus, dass sich der Schweizer Franken mit der „Zeit abschwächen und auf ein Niveau fallen wird, das mehr mit den ökonomischen Fundamentalwerten im Einklang steht“. Dieses Niveau sehen Marktbeobachter aktuell bei einem Kurs von 1,35 bis 1,40." Fazit:Eine Kombination vieler Faktoren hat den Boom der Fremdwährungskredite in Österreich ermöglicht. Die Banken haben ein verständliches Interesse daran, dass die Kreditnehmer ihrer Verpflichtung zur Rückzahlung nachkommen können und sind deshalb bereit, möglichst verträgliche Lösungen im beiderseitigem Einvernehmen zu suchen und zu finden. Dabei gibt es aber keinen Pauschaltipp: je nach Restlaufzeit des Kredites, Art des Tilgungsträgers, Kurs bei Kreditvergabe, Rückzahlungsfähigkeiten und Besicherungsreserven kann das kreditgebende Institut alle Möglichkeiten zur Risikoreduktion analysieren und eine Strategie gemeinsam mit dem Kreditnehmer festlegen. Ein Angebot, dass sie nicht ausschlagen sollten.
Nach der Euro-Franken-Bindung ist das Problem der österreichischen Fremdwährungskreditnehmer wieder in den Mittelpunkt der Presse geraten. Hier ein Überblick über die zahllosen Tipps: Handelsblatt, 22.09.2011 (Link):Kunden können Franken-Kredite umwandelnNach dem Höhenflug der Schweizer Währung bieten österreichische Banken ihren Kunden einen Ausstieg aus Franken-Krediten an. Die Erste Bank schreibe ihre 16.000 privaten Kreditnehmer in Österreich an und rate ihnen, ihren Franken-Kredit in einen Euro-Kredit zu wandeln, erklärte das Institut am Mittwochabend. Auch andere Banken wie die UniCredit -Tochter Bank Austria und die Raiffeisen-Landesbanken bieten ihren Kunden verschiedene Modelle zum Ausstieg aus Franken-Krediten an. Wirtschaftsblatt, 22.09.2011 (Link)Entwarnung für Franken-Kreditnehmer: Das Netz hältVerfolgt die SNB konsequent den eingeschlagenen Weg, so ist der Aufwärtstrend des Franken gebrochen. Für Franken-Kreditnehmer wird die Situation somit bequemer. Denn am Zinsvorteil von aktuell rund 1,5 Prozentpunkten wird sich so rasch nichts ändern, es sei denn, die EZB senkt demnächst die Zinsen. Foonds.com, 22.09.2011 (Link)Frankenkredite: "Ihr Schweizer Franken-Kredit - unsere Empfehlung" Erste Bank Vorstandsmitglied Peter Bosek rät den Kunden dringend "dieses Zeitfenster zu nutzen". Was er damit meint, ist eben die Entscheidung der Schweizer Notenbank (SNB), die eine dauerhafte Stabilisierung des Frankenkurses zum Euro bei mindestens 1,20 Euro sicherstellen will - was, gegenüber dem schon fast bei 1:0 stehenden EUR/CHF-Kurs, einen Vorteil für die Kreditkunden bedeutet. diePresse.com, 22.09.2011 (Link)Franken könnte nächstes Jahr aufwertenAm Donnerstagnachmittag kostete ein Euro 1,228 Franken. Deutlich weiter nach unten sollte es für den Franken aber nicht gehen. Der „faire Wert“ liege derzeit bei 1,25 Franken zum Euro, meinte Erste-Analystin Gudrun Egger. In die andere Richtung könnte es aber durchaus gehen: Die Schweizerische Notenbank werde nur so lange intervenieren, wie Deflationsgefahr bestehe. Diese sollte sich ab April nächsten Jahres abmildern. derStandard, 21.09.2011 (Link)Wenn die Fremdwährung zur Belastung wird"Nur keine levantinische Hast", empfiehlt Fremdwährungsexperte Gerhard Massenbauer, der eine Workshop-Serie für Fremdwährungskreditnehmer gestartet hat. Er rät nicht zu einem automatischen Ausstieg: "Nicht die Nerven verlieren. Die Zinsen nehmen momentan den ganzen Druck raus, weil die Zahlungen so niedrig sind. Wer weniger als fünf Jahre Restlaufzeit hat, hat Handlungsbedarf - aber erst nach erstklassiger Beratung unabhängig von der finanzierenden Bank." der Kreditnehmer sollte sich mit seiner persönlichen Finanzsituation beschäftigen und auch aktiv das Gespräch mit der Bank suchen. format.at, 19.09.2011 (Link)Wie Sie Ihre Hausfinanzierung durch eine Optimierung des Tilgungsträgers sanierenUm weiter Boden gutzumachen, können heimische Schuldner nur hoffen, dass der Franken wider Erwarten doch stärker nachgibt als von der Schweizer Nationalbank geplant. news.at, 18.09.2011 (Link)Die Häuslbauer-FallePeter Kolba, Leiter der Rechtsabteilung des Verein für Konsumenteninformation (VKI): "Viele Kreditnehmer stehen trotz mehrjähriger Einzahlungen mit nahezu wertlosen Tilgungsträgern bei den Banken tief in der Kreide.“ Kolba nennt nun sechs Wege aus der Fremdwährungs-Falle. Als Patentlösungen sind sie allerdings nicht zu verstehen, denn die gibt es nicht. banknews.at-Meinung:Die Vielzahl an Tipps der Experten in den Medien macht klar, wie komplex das Thema ist. Nach unserer Kritik an den Pauschalratschlägen des VKI ("Jetzt zu konvertieren wäre wirtschaftlicher Wahnsinn") gibt der Verein für Konsumeninformation im News-Artikel zu: "Patentlösungen gibt es nicht." Deshalb kann es nur einen Tipp geben: mit der kreditgebenden Bank sprechen, Chancen & Risken abwägen und dann entscheiden.
Nach der gestrigen Bekanntgabe der Schweizer-Nationalbank, alle Maßnahmen zu ergreifen, die Stärke des Franken gegenüber dem Euro bei maximal 1,20 zu fixieren, überschlagen sich die Medien wieder mit Ratschlägen diverser Experten. Hier eine kurze Zusammenfassung der heutigen Tipps: Erste Bank: "Raus aus dem Risiko"Die aktuelle Empfehlung an die Kunden: Die gesamte Kreditsumme oder zumindest große Teile sofort auf Euro zu konvertieren, diese endfälligen Kredite auf laufende Rückzahlung umzustellen und die Tilgungsträger stillzulegen, also keine Prämien mehr darauf einzuzahlen. Die Beratung werde auf diese Ziele abgestellt. Die Erste verlange auch keine Konvertierungsgebühren, versicherte Uher. ( Quelle: Kleine Zeitung) Wirtschaftsblatt: "Jetzt zu konvertieren wäre Humbug!"Hinsichtlich des obigen Tipps der Erste Bank schreibt das Wirtschaftsblatt ( Link): "Es sei an dieser Stelle allerdings allen Betroffenen geraten, genau jetzt dieser „Einladung" der Bank zu widerstehen, denn sie ist unserer Einschätzung nach geradezu dreister Unsinn und passiert nur zum Vorteil der Bank. Wer einen endfälligen Franken-Kredit hat, der soll daher keiner Konvertierung zustimmen - das Wechselkursrisiko ist aktuell kleiner denn je, der Zinsvorteil dafür enorm. Immerhin beträgt der Zins-Gap zwischen Franken-Libor und Euribor über 1,5 Prozentpunkte." Arbeiterkammer: "Keine Entwarnung für Schweizer-Franken-Kreditnehmer"Die Arbeiterkammer, die bisher mit wenig Fachkompetenz im Zusammenhang mit Fremdwährungskrediten auf sich aufmerksam machte ( siehe in diesem banknews.at-Artikel), verzichtet nun positiverweise auf einseitige Ratschläge und stellt nur fest, dass das Problem - Überraschung - noch nicht gelöst ist: "Die meisten Fremdwährungskredite werden erst in den kommenden fünf bis zehn Jahren fällig. Die Fragen, wie lange die Schweizer Nationalbank das Kursfixing aufrecht erhalten wird und wie viel der Tilgungsträger bis zum Laufzeitende tatsächlich erwirtschaften konnte, werden durch die derzeitige Festsetzung des Franken nicht gelöst." ( Quelle: orf.at) banknews.at-Meinung:Wie bereits gebetsmühlenartig hier beschrieben: es gibt keinen generellen Ratschlag für alle Fremdwährungskreditnehmer, ob eine Konvertierung zum aktuellen Zeitpunkt "richtig" ist oder nicht, da dies von vielen individuellen Faktoren abhängig ist, wie Einstiegskurs, bereits vergangene und noch verbleibende Kreditlaufzeit, Einkommens- und Vermögenssituation usw. Deshalb sind auch Pauschalverurteilungen wie jene des Wirtschaftsblatts abzulehnen: Banken vorzuwerfen, sie würden Vorschläge ausschließlich aus Eigeninteresse erteilen, ist - um im Wirtschaftsblatt-Jargon zu bleiben - Humbug. Da auch die CHF-Refinanzierung (oder entsprechende Swaps) für die Bank günstig sind, kann kein Zinsvorteil bei EUR-Krediten davon abgeleitet werden. Dass Kreditinstitute ihre Kunden vorsätzlich schädigen würden, ist schon aus risikotechnischen, juristischen und imagerelevanten Gründen absoluter Blödsinn. Fazit:Fremdwährungskreditnehmer sollten eventuellen Gesprächseinladungen der Banken spätestens jetzt nachkommen, sich über mögliche Lösungsvorschläge informieren und dann eine individuell angepasste Möglichkeit auswählen.
04.08.2011, M. Nefischer Versteht mich nicht falsch: ich habe nichts gegen die Arbeiterkammer und den VKI (Verein für Konsumenteninformation). Als Arbeitnehmer und Konsument verlasse ich mich auf deren engagierte Arbeit und fachlichen Qualitäten. Wenn ich jedoch feststellen muss, dass Aussagen dieser Institutionen fachlich falsch und irreführend sind, dann wehre ich mich dagegen. Die beiden Institutionen haben sich in den letzten Wochen auf die Banken eingeschossen: nach der einseitigen Kritik zu den Konditionen bei Girokonten ( banknews.at-Analyse siehe hier) und der Forderung auf ein verpflichtendes Girokonto ( banknews.at-Analyse siehe hier) wurde auch immer wieder Umgang mit Fremdwährungskrediten kritisiert. Dass diese Aussagen fachlich falsch sind, wurde im banknews.at Artikel hier bereits festgestellt. Besonders problematisch wird's aber dann, wenn Ratschläge der AK oder des VKI den Konsumenten bares Geld kosten können. Und das ist hier geschehen: Thomas Hirnke (VKI), Interview mit foonds.com am 28.07.2011 "Jetzt zu konvertieren, wäre wirtschaftlich ein Wahnsinn, weil man den Währungsnachteil in voller Höhe mitnehmen würde", warnte Hirmke.
Diese Aussage ist irreführend, da diese eine angenommene CHF-Abwertung impliziert. Das ist aber keineswegs gesichert, im Gegenteil: "Es ist möglich, dass der Euro Parität zum Franken erreicht und sogar noch tiefer rutscht", meint Valentin Hoffstätter von der Raiffeisenbank-International. "Viele Kreditnehmer waren der Meinung, dass der Franken gar nicht noch weiter steigen kann. Das ist leider falsch." ( Quelle) Seit der Aussage von Thomas Hirnke ist der EUR/CHF-Kurs weiter gesunken: 28.07.2011: 1,1481 03.08.2011: 1,1044 Das bedeutet, dass die nicht konvertierenden Kreditnehmer nur in dieser Woche weitere 4% Kursverlust hinnehmen mussten. Und folgt man der Aussagen des RBI-Experten und geht von einer EUR-CHF-Parität aus, kommen mittelfristig vielleicht noch weitere 10% Kursverlust zu. Somit könnte der Ratschlag des VKI den CHF-Kreditnehmern weitere 14% Kursverluste beschert haben. Deshalb ( wie bereits hier mehrfach betont): es gibt keinen allgemein gültigen Ratschlag für CHF-Kreditnehmer. Die individuelle Rückzahlungs- und Vermögenssituation muss gemeinsam mit der kreditgebenden Bank analysiert werden, um die bestmögliche Lösung zu finden. Ähnliche Artikel: - Warum die Arbeiterkammer bei Fremdwährungskrediten irrt- Die perfekte Lösung für alle SchweizerFranken-Kreditnehmer...
19.07.2011, M. Nefischer Nach der einseitigen Kritik der Konditionen der österreichischen Banken in der Vorwoche sah sich die Arbeiterkammer nun dazu veranlasst, den Fremdwährungskreditnehmern aufgrund der CHF-Kursentwicklung Ratschläge in Form einer Presseaussendung ( Link) zu erteilen. AK-EmpfehlungenDie AKNÖ empfiehlt die Umstellung auf monatliche Kapitaltilgung. Hinsichtlich der Tilgungsträger wird eine Auflösung oder Stillegung als Möglichkeit angeführt. Weiters schreibt die AK: "Womöglich wird er (der CHF-Kurs, Anm.) schon bald mit dem Euro auf gleicher Höhe sein, so die Prognose der Experten."Sollte dieser Fall wirklich eintreten und nur noch eine kurze Restlaufzeit des Kredites bestehen, wäre auch eine Konvertierung in EUR (trotz Verlustrealisierung) oder eine Laufzeitverlängerung als Alternative zu betrachten. Diese Möglichkeiten werden von der AK aber nicht angeführt. Wie bereits im Artikel "Die perfekte Lösung für alle Schweizer Franken Kreditnehmer" erläutert, gibt es dieselbe nicht. Deshalb sollte man sich nicht auf Presseaussendungen der Arbeiterkammer verlassen, sondern sich von der kreditgebenden Bank beraten lassen. Kredit-Besicherung vs. RückzahlungsfähigkeitDanach schreibt die AK: "Das Hauptargument der Banken, dass es durch den massiven Kursanstieg des Franken zu einer Unterbesicherung des Kredites komme, werde laut Hafrank durch die monatliche Kapitaltilgung ebenfalls entkräftet."Diese Aussage ist falsch. Die Besicherung eines Kredites hat nichts mit der Rückzahlung(sfähigkeit) zu tun. Einerseits kann ein Kredit kann trotz voller Besicherung (zB durch Hypotheken) notleidend werden, andererseits kann sich durch steigende Unterbesicherung trotz laufender Tilgung das Risiko für die Bank erhöhen. Verbieten, was bereits verboten istSchließlich enthält die Presseaussendung folgende Aussage: "Um die Situation der FremdwährungskreditnehmerInnen nachhaltig zu entschärfen, fordert die AKNÖ schon seit Langem das Aus für endfällige Kredite: "Die Vergabe von endfälligen Finanzierungen, egal in welcher Währung, muss zum Schutz der KonsumentInnen eingestellt werden", fordert AKNÖ-Präsident Hermann Haneder. "
Die zuletzt im März 2010 aktualisierten "Mindeststandards zur Vergabe und Gestionierung von Fremdwährungskrediten und Krediten mit Tilgungungsträgern" ( Link) verbieten defacto bereits die Vergabe von endfälligen Krediten mit kapitalaufbauuenden Tilgungungsträgern: Punkt IV. 12: "Endfällige Kredite ... sollen nur in begründeten Fällen, die der europäischen banküblichen Realität entsprechen und bei denen die Tilgung des Kredits durch ein vordefiniertes und grundsätzlich gesichert zur Verfügung stehendes Realisat gewährleistet werden kann, vergeben werden." Fazit:Die Presseaussendung der Arbeiterkammer ist irreführend: einerseits werden nicht alle Möglichkeiten zur Begrenzung des Fremdwährungskreditrisikos für CHF-Kreditnehmer aufgezeigt, und andererseits wird den Banken die gezielte Benachteiligung Ihrer Kunden unterstellt, was nicht den Tatsachen entspricht.
... suchen viele Österreicher. Aber ich muss sie enttäuschen: die gibt es nämlich nicht. Wie andere Länder mit Reglementierungen arbeiten und welche Möglichkeiten Österreicher haben, soll hier analysiert werden. Die Kursentwicklung des Schweizer Franken der letzten Wochen und Monate treibt den Frankenkreditnehmern die Schweißperlen auf die Stirn. Mehr oder weniger hilfreiche Ratschläge erscheinen laufend in Magazinen "für den persönlichen Gewinn", die gemeinsam mit den unabhängigen Finanzdienstleistern einen wesentlichen Beitrag zum Boom der Fremdwährungskredite in den 00er-Jahren geleistet haben ( wie hier in unserem Artikel hier ausführlich dargestellt). Frankenkredite - ein österreichisches Unikum?Diese Finanzierungsform (Kredite in Schweizer Franken an "Häuslbauer") wird oft als österreichische Besonderheit gebrandmarkt. Ein kurzer Blick über die Grenzen zeigt das Gegenteil: Ungarn
In Ungarn erreichte 2007 die Vergabe der Fremdwährungskredite einen Höhenpunkt: 90% der neu abgeschlossenen Hypothekarkredite wurden damals in Schweizer Franken gewährt, was den Fremdwährungsanteil am Bestand der Privatkredite auf 60% ansteigen ließ (in Österreich betrug damals der Anteil etwa 30%). Der ungarische Forint kam aber bereits Mitte 2008 zu Beginn der Finanzkrise massiv unter Druck und verlor bis Anfang 2009 ein Drittel(!) an Wert im Verhältnis zum Schweizer Franken. Die Auswirkungen auf die Kreditnehmer waren und sind nach wie vor enorm: 750.000 Privatkredite gelten in Ungarn als notleidend, 90.000 Hypothekar-Schuldner stehen vor dem Nichts. Deswegen wurde seitens der Regierung ein Moratorium für Zwangsvollstreckungen verhängt, das jedoch heuer schrittweise ausläuft. Ein nun mit dem Bankenverband ausgehandelter "Hausrettungsplan" soll die Kreditnehmer vor dem Schlimmsten bewahren. Zu den Maßnahmen zählen eingefrorene Wechselkurse, reglementierte Zwangsversteigerungen und Wohnungsbau für Bedürftige durch die Kommunen. Mehr dazu hier. Kroatien
Auch die kroatische Kuna hat deutlich gegenüber dem Schweizer Franken eingebüßt - ein Viertel ihres Wertes seit Anfang 2010. In Kroatien betrug der Anteil der Fremdwährungskredite an Private Haushalte immerhin 25%. Und auch hier haben sich die Banken zu einem Memorandum akkordiert, das die Geldinstitute verpflichtet, die Laufzeit der Wohnbaukredite in den kommenden 2 Jahren zu verlängern. Deutschland Während in Österreich Fremdwährungskredite an Private Haushalte durch die FMA im März 2010 defacto verboten wurden, hat diese Finanzierungsform - unbemerkt von den österreichischen Medien - auch den Sprung nach Deutschland geschafft. Überraschend ist jedoch die geradezu naive Präsentation der Gefahren von renommierten Medien wie der "Badischen Zeitung" noch im Februar dieses Jahres: ... Wer jetzt in SFr-Kredite einsteigt, kann auf Wechselkursgewinne hoffen. ... sei es noch nicht vorgekommen, dass ein älterer SFr-Kredit einem Kunden das Genick gebrochen hätte.....Denn mittelfristig, ... werde der Kurs sich vermutlich wieder beim eigentlichen Kaufkraftverhältnis von etwa 1,45 Franken je Euro einpendeln. Wer jetzt einen Franken-Kredit abschließt, hat somit die Chance, bis dahin einen Wechselkursvorteil von zehn bis 20 Prozent zu erzielen.Quelle: Badische Zeitung, 09.02.2011 Tatsächlich steht der Franken nun bei 1,23 EUR (03.07.2011) und hat damit den angelockten Kreditnehmern weitere 18% Kursverlust beschert… Österreich Die Entwicklung der Situation der Fremdwährungskredite wird nun fast täglich in den Medien dargestellt. Betroffene Kreditnehmer erhoffen sich hier den idealen Lösungsvorschlag für ihr Problem zu finden. Doch den gibt es nicht. Eine Konvertierung in EUR kann - trotz der dabei eintretenden Realisierung des Verlustes - genauso sinnvoll sein wie eine Laufzeitverlängerung, das Vereinbaren eines Stop-Loss-Limits oder der Auflösung des Tilgungsträgers mit Umstellung auf laufende Rückführung. Denn eine bestmögliche Lösung kann nur im Gespräch mit der kreditgebenden Bank ermittelt werden. Dies deckt sich auch mit dem Rat des Privat- und Firmenkunden-Chefs der Erste Bank, Peter Bosek, im Presse-Artikel vom 29.06.2011: „Es gibt keinen pauschalen Rat für Fremdwährungskreditnehmer, jeder Fall ist individuell zu betrachten.“ Fazit Andere Länder waren und sind vom Fremdwährungskredit-Dilemma noch deutlich stärker betroffen als Österreich, Regulierungsmaßnahmen der Politik sollen den Schaden dort begrenzen. Dennoch wollen Kunden und Banken in Regionen, in denen die Problematik noch nicht ausreichend thematisiert wurde, von den Chancen einer Fremdwährungsfinanzierung - ohne ausreichende Berücksichtigung der Risiken - profitieren. In Österreich gibt es keine starre, vordefinierte Lösung des Problems - und das ist gut so: nur in indiviuellen Analysen mit der kreditgebenden Bank kann die bestmögliche Lösung für Fremdwährungskreditnehmer gefunden werden.
von M. Nefischer "Wenn alle Spieler auf eine angeblich todsichere Sache spekulieren, geht es fast immer schief." André Kostolany, ungarischer Börsenexperte
Der Beginn des Fremdwährungskredit-Booms Ende der Neunziger-Jahre geht einher mit dem Aufstieg der unabhängigen Finanzdienstleister. Auch die Expertenzeitschriften "für den persönlichen Gewinn" waren auf den Zug aufgesprungen:
Auszug aus dem Fremdwährungskredit-Drehbuch des "Gewinn":
"Angenommen, Sie brauchen Geld. Und zwar viel Geld, weil Sie ein Haus bauen möchten (Immobilienfinanzierung ist der typische Fall bei Privaten). Sie gehen also zur Bank Ihrer Wahl - mittlerweile bietet dies praktisch jede österreichische Bank an. Treffen Sie auf jemanden mit „tauben Ohren“ oder mit der Haltung „Nur gegen unsere Überzeugung“ - probieren Sie es woanders."
Fremdwährungskredite mit Tilgungsträgern waren also die neue Formel der Finanz-Alchemie:
- Kreditnehmer sollten gleichzeitig beim Kredit von den niedrigen Zinsen in der Schweiz bzw. Japan sowie von den Renditen der Tilgungsträger (Fonds oder Versicherungen) profitieren und somit sich so ihren Traum vom Haus (leichter) leisten können
- Finanzberater konnten ohne eigenes Risiko doppelt an der Beratung verdienen: als Einmalprovision für die Finanzvermittlung von den Banken und für den Tilgungsträger von der Fonds- bzw. Versicherungsgesellschaft
- Banken konnten bei gleichem Ausfallsrisiko mehr oder höhere Kredite vergeben, da die Rückzahlungsbelastung des Kreditnehmers geringer als bei einem EUR-Kredit angenommen wurde
Die 5 Fallen der Fremdwährungskredite
Grundsätzlich waren die einzelnen Risiken den Finanzberatern und den Banken bewusst. Wie aber so oft in der Geschichte, entsteht Schaden erst durch die Korrelation von Risiken und nicht zu beeinflussenden Umständen, und genau dies kann nun auch im Bereich der Fremdwährungskredite passieren:
1.Vermitteltes Risiko
Aufgrund der höheren Ertragsmöglichkeiten der unabhängigen Finanzberater lag es offensichtlich im eigenen Sinne einiger Finanzberater, das Risiko als so gering wie möglich darzustellen.
Ein gutes Beispiel für diesen Umstand stellt ein OGH-Urteil aus dem Jahr 1999 dar [Link]
2. Spekulation mit fremden statt mit eigenem Geld
Wie in den folgenden 3 Punkten dargestellt, ist der Nutzen eines Fremdwährungskredites für den Kreditnehmer von Erwartungen an die Zukunft abhängig - und damit handelt es sich bei diesem Produkt klar um Spekulation. Ein wesentlicher Aspekt in der Einschätzung des Risikos von Fremdwährungskrediten wurde oft vernachlässigt: in Vergleich zu einer "normalen" Spekulation eines Privatkundenanlegers an der Börse mit Aktien handelt es sich beim Fremdwährungskredit um eine Spekulation mit "fremden Geld" - also von Menschen, deren Vermögen in Folge Spekulation nicht auf nur 0 sinken konnte, sondern von Menschen, die mit Kreditbedarf - also zu wenig Vermögen - ausgestattet sind. Fremdwährungskredite sind daher Spekulationen von Personen, die bereits wenig Spielraum für Verluste haben!
3. Zinsrisiko
Damit die Rechnung eines Fremdwährungskredites mit Tilgungsträger zum Laufzeitende aufgeht, bedarf es konstant niedrigerer Zinsen als im EUR-Bereich - und dies ist weitgehend für den Franken- und YEN-Kredit bisher eingetreten. Eine Garantie für die Zukunft ist das natürlich nicht.
4. Wechselkursrisiko
In den letzten Monaten, auch in Folge der Schuldenkrise in der Euro-Zone, hat der Wert des Schweizer Franken deutlich gegenüber dem Euro gewonnen. Das bedeutet, dass zB Kreditnehmer, die einen Franken-Kredit im Gegenwert von EUR 100.000,00 im Sommer 2007 bei einem Kurs von 1,65 aufgenommen haben, nun einen Schuldenstand von umgerechnet EUR 128.000,00 ausweisen. Solange der Kredit noch nicht getilgt werden muss, handelt es sich dabei nur um einen theoretischen Buch-Verlust.
5. Überhöhte Renditerwartung
Fonds und fondsgebunde Lebensversicherungen - Produkte, die als Tilgungsträger am Laufzeitende den Fremdwährungskredit abdecken sollen - haben in Folge der Finanzkrise deutlich gelitten. So weisen viele Tilgungsträger derzeit einen wesentlichen geringeren Auszahlungsbetrag aus, als ursprünglich angenommen.
Lesen Sie demnächst: die Rolle der Banken sowie Lösungen und Auswege aus der Fremdwährungsproblematik
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