17.04.2011, M. Nefischer
Die Finanzkrise ist Vergangenheit.
Die Banken verdienen wieder prächtig . Gerade diese Woche präsentierten Österreichs Großbanken mit ihren Bilanzen für 2010 Milliardengewinne. Und was kümmern uns Griechenland, Irland und Portugal. Wer braucht also neue Artikel über die Finanzkrise?
Die Finanzkrise ist Zukunft.
Bank- und Finanzkrisen hat es immer gegeben, sie treten zyklisch auf. Besorgniserregend ist, dass die Zyklen kürzer und die Schäden höher werden.
Deshalb sollten wir uns alle dieses Umstandes bewusst sein. Mit unseren Entscheidungen über unsere Einkünfte und Ausgaben, unsere Veranlagungen und Finanzierungen, und nicht zuletzt unserem Wahlverhalten können wir die Auswirkungen auf Österreichs Wirtschaft im Allgemeinen und auf unsere persönlichen Finanzen im Besonderen beeinflussen.
Dazu bedarf es einer Fähigkeit: aus der Vergangenheit zu lernen. Die Hoffnung, dass die Politiker und Entscheidungsträger in den Großbanken - egal ob in den USA oder Europa - daraus gelernt haben, könnte nämlich enttäuscht werden.
Beispiele gefällig?
USA:
Eine als Grund für die Finanzkrise am häufigsten geäußerte Problematik, dass einige Banken als "too big to fail" einzustufen sind, hat sich nicht geändert - im Gegenteil: im Jahr 2010 gingen in den USA 157 "kleine" Bank pleite. Im Gegenzug erwirtschafteten die 24 größten Banken der USA (darunter jene, die 2008 mit staatlichen Geldern gerettet werden mußten) wieder Gewinne in Höhe von unvorstellbaren 56 Mrd. Dollar und lagen damit bereits fast wieder auf Vorkrisenniveau (2007: 63 Mrd. Dollar).
Amerikas Banken, die bereits Basel II nicht umgesetzt haben, werden sich wohl auch nicht an Basel III beteiligen. Aber selbst im Falle von stärkeren Regulierungen von Risikogeschäften haben die Banken bereits Auswege gefunden - das System der "Schattenbanken": Morgan Stanley lagert seinen Eigenhandel in einen Hedgefonds aus, ehemalige Mitarbeiter von Goldmann Sachs gründeten eine neue Investmentfirma in London, worüber die Geschäfte unbeeinflusst durchgeführt werden können.
Europa:
Auch Europas börsennotierte Banken verdienen wieder prächtig: die 51 im Stoxx 600 Banks Index enthaltenen Finanzinstitute aus Europa erwirtschafteten im Jahr 2010 einen Gewinn von 77 Mrd. EUR. Bei 80% dieser Banken war der Gewinn damit höher als im Vorkrisenjahr 2007. Nicht vergessen werden sollte jedoch dabei, dass bei vielen dieser Institute die Rückzahlung der Staatshilfen aber noch aussteht.
Österreich:
Die Raiffeisenbank International wies für 2010 einen Gewinn von 1,087 Mrd. EUR aus. An eine (Teil-)Rückzahlung des staatlichen Parizipationskapitals (1,75 Mrd. EUR) wird jedoch noch nicht gedacht. (Quelle: diepresse.com). Analysten der Bank of America gehen nämlich davon aus, dass die RBI noch weitere 2,7 Mrd. EUR Kapital benötigt. Weitere 1,3 Mrd. EUR Eigenkapital soll die Erste-Bank-Group benötigen (Quelle: wirtschaftsblatt.at). Gleichzeitig stiegen jedoch natürlich auch die Vorstandsgehälter der österreichischen Großbanker: in der RBI haben sich die Vorstandsgehälter im Vergleich zum Vorjahr auf 8,2 Mio. EUR verdreifacht (Quelle: boerse-express.com). In der Erste-Bank-Group haben sich die Vergütungen für die Vorstände 2010 im Vergleich zu 2010 immerhin verdoppelt (Quelle: derstandard.at)
Und wie sieht es in Österreichs Regionalbanken aus?
Diese weisen konstant vor, während und nach der Finanzkrise verhältnismäßig geringe, aber nachhaltige Gewinne aus, die sie zur Eigenkapitalstärkung verwenden oder in die Erfüllung ihrer Gründungsaufträge, nämlich in die Stärkung ihrer Region, Kunden und Mitglieder, investieren. Staatliche Hilfen mussten für diese Banken nicht aufgewendet werden, weil sie a) nicht "too big to fail" sind (und auch in Verlegenheit des "fails" nie geraten sind) und b) ihre Kunden und Mitglieder ohnehin durch sektoreigene Sicherungseinrichtungen geschützt sind. Dabei sind die Vorstandsgehälter in den Genossenschaftsbanken die niedrigsten aller Banktypen. (Quelle: banklounge.de)
Fazit:
Nach überstandener Finanzkrise haben sich die Rahmenbedingungen noch nicht in jene Richtung verändert, dass weitere Krisen ausgeschlossen werden können. Und in Hinblick auf die gegenwärtige Staatsschuldenkrise wäre eine weitere Finanzkrise sogar noch weniger verkraftbar. Wir haben also allen Grund dazu, unsere eigenen finanziellen und politischen Entscheidungen auf diese Gefahren hin auszurichten.
Lesen Sie demnächst:
Aus dem Politiker-Kochbuch: die 6 wichtigsten Zutaten für eine gschmackige Finanzkrise
Die Finanzkrise ist Vergangenheit.
Die Banken verdienen wieder prächtig . Gerade diese Woche präsentierten Österreichs Großbanken mit ihren Bilanzen für 2010 Milliardengewinne. Und was kümmern uns Griechenland, Irland und Portugal. Wer braucht also neue Artikel über die Finanzkrise?
Die Finanzkrise ist Zukunft.
Bank- und Finanzkrisen hat es immer gegeben, sie treten zyklisch auf. Besorgniserregend ist, dass die Zyklen kürzer und die Schäden höher werden.
Deshalb sollten wir uns alle dieses Umstandes bewusst sein. Mit unseren Entscheidungen über unsere Einkünfte und Ausgaben, unsere Veranlagungen und Finanzierungen, und nicht zuletzt unserem Wahlverhalten können wir die Auswirkungen auf Österreichs Wirtschaft im Allgemeinen und auf unsere persönlichen Finanzen im Besonderen beeinflussen.
Dazu bedarf es einer Fähigkeit: aus der Vergangenheit zu lernen. Die Hoffnung, dass die Politiker und Entscheidungsträger in den Großbanken - egal ob in den USA oder Europa - daraus gelernt haben, könnte nämlich enttäuscht werden.
Beispiele gefällig?
USA:
Eine als Grund für die Finanzkrise am häufigsten geäußerte Problematik, dass einige Banken als "too big to fail" einzustufen sind, hat sich nicht geändert - im Gegenteil: im Jahr 2010 gingen in den USA 157 "kleine" Bank pleite. Im Gegenzug erwirtschafteten die 24 größten Banken der USA (darunter jene, die 2008 mit staatlichen Geldern gerettet werden mußten) wieder Gewinne in Höhe von unvorstellbaren 56 Mrd. Dollar und lagen damit bereits fast wieder auf Vorkrisenniveau (2007: 63 Mrd. Dollar).
Amerikas Banken, die bereits Basel II nicht umgesetzt haben, werden sich wohl auch nicht an Basel III beteiligen. Aber selbst im Falle von stärkeren Regulierungen von Risikogeschäften haben die Banken bereits Auswege gefunden - das System der "Schattenbanken": Morgan Stanley lagert seinen Eigenhandel in einen Hedgefonds aus, ehemalige Mitarbeiter von Goldmann Sachs gründeten eine neue Investmentfirma in London, worüber die Geschäfte unbeeinflusst durchgeführt werden können.
Europa:
Auch Europas börsennotierte Banken verdienen wieder prächtig: die 51 im Stoxx 600 Banks Index enthaltenen Finanzinstitute aus Europa erwirtschafteten im Jahr 2010 einen Gewinn von 77 Mrd. EUR. Bei 80% dieser Banken war der Gewinn damit höher als im Vorkrisenjahr 2007. Nicht vergessen werden sollte jedoch dabei, dass bei vielen dieser Institute die Rückzahlung der Staatshilfen aber noch aussteht.
Österreich:
Die Raiffeisenbank International wies für 2010 einen Gewinn von 1,087 Mrd. EUR aus. An eine (Teil-)Rückzahlung des staatlichen Parizipationskapitals (1,75 Mrd. EUR) wird jedoch noch nicht gedacht. (Quelle: diepresse.com). Analysten der Bank of America gehen nämlich davon aus, dass die RBI noch weitere 2,7 Mrd. EUR Kapital benötigt. Weitere 1,3 Mrd. EUR Eigenkapital soll die Erste-Bank-Group benötigen (Quelle: wirtschaftsblatt.at). Gleichzeitig stiegen jedoch natürlich auch die Vorstandsgehälter der österreichischen Großbanker: in der RBI haben sich die Vorstandsgehälter im Vergleich zum Vorjahr auf 8,2 Mio. EUR verdreifacht (Quelle: boerse-express.com). In der Erste-Bank-Group haben sich die Vergütungen für die Vorstände 2010 im Vergleich zu 2010 immerhin verdoppelt (Quelle: derstandard.at)
Und wie sieht es in Österreichs Regionalbanken aus?
Diese weisen konstant vor, während und nach der Finanzkrise verhältnismäßig geringe, aber nachhaltige Gewinne aus, die sie zur Eigenkapitalstärkung verwenden oder in die Erfüllung ihrer Gründungsaufträge, nämlich in die Stärkung ihrer Region, Kunden und Mitglieder, investieren. Staatliche Hilfen mussten für diese Banken nicht aufgewendet werden, weil sie a) nicht "too big to fail" sind (und auch in Verlegenheit des "fails" nie geraten sind) und b) ihre Kunden und Mitglieder ohnehin durch sektoreigene Sicherungseinrichtungen geschützt sind. Dabei sind die Vorstandsgehälter in den Genossenschaftsbanken die niedrigsten aller Banktypen. (Quelle: banklounge.de)
Fazit:
Nach überstandener Finanzkrise haben sich die Rahmenbedingungen noch nicht in jene Richtung verändert, dass weitere Krisen ausgeschlossen werden können. Und in Hinblick auf die gegenwärtige Staatsschuldenkrise wäre eine weitere Finanzkrise sogar noch weniger verkraftbar. Wir haben also allen Grund dazu, unsere eigenen finanziellen und politischen Entscheidungen auf diese Gefahren hin auszurichten.
Lesen Sie demnächst:
Aus dem Politiker-Kochbuch: die 6 wichtigsten Zutaten für eine gschmackige Finanzkrise


RSS Feed